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Impfungen als Gesundheitsprophylaxe beim
Kaninchen
Neben den Meerschweinchen nehmen die Kaninchen einen festen Platz in
der Haltung von kleinen Heimtieren ein. Um den Lebensraum möglichst
naturnah zu gestalten, werden in den warmen Jahreszeiten die Käfige
nach draußen (Balkone,Terassen) verbracht oder ein Gehege im Garten
errichtet. Frische Luft und frisches Grün wirken sich positiv auf
das Allgemeinbefinden der possierlichen Tiere aus. Doch im Freien sind
die Tiere auch Insekten, wie z.B. Mücken ausgesetzt, die gefährliche
Infektionskrankheiten übertragen können. Daher ist es günstig,
Kaninchen, die sich im Freien aufhalten können, gegen diese Krankheiten
mittels Impfung zu schützen.
1. Myxomatose
Die Myxomatose oder Kaninchenpest ist eine seuchenhaft verlaufende Virusinfektion.
Die Übertragung des Virus von meist infizierten Wildkaninchen auf
Hauskaninchen geschieht hauptsächlich durch blutsaugende Insekten
(Stechmücken, Fliegen, Kaninchenfloh). Diese Art der Infektionsübertragung
macht den Seuchenverlauf abhängig vom jahreszeiten- und witterungsbedingten
Auftreten der Insektenpopulation. Etwa ab Mai treten die ersten Erkrankungsfälle
auf, in den insektenreichen Sommermonaten liegt dann der Seuchengipfel,
der zum Herbst hin abflacht. Im Winter erlischt das Krankheits-geschehen
oft ganz, wobei gerade in dieser Jahreszeit der Kaninchenfloh ein Erregerreservoir
unter den Wild-kaninchen aufrechterhält. Da erkrankte Tiere das
Virus mit Augen-, Nasen- und Rachensekret ausscheiden, ist auch eine
Übertragung von Tier zu Tier sowie die Einschleppung über
Grünfutter von verseuchten Wiesen möglich.
Die Symptome sind nahezu unverwechselbar. Erkrankte Tiere entwickeln
zunächst eine eitrige Bindehaut-entzündung. Auch an Nase,
Lippen und Ohren treten teigige bis feste Schwellungen auf, manchmal
sind auch After und Geschlechtsorgane betroffen. Später bilden
sich an vielen Körperstellen derbfeste bis zu haselnußgroße
Knoten in der Haut, die mit einer sulzigen, virushaltigen Flüssigkeit
gefüllt sind (=Myxome). Eine eitrige Nasenschleimhautentzündung
führt zu massiven Atembeschwerden. Wenige Tage nach der Ansteckung
fressen die Tiere nicht mehr und sterben meist nach ca. einer Woche.
Neben der Insektenbekämpfung (z.B. durch Gazeabdeckungen oder Insektenvernichtungsmittel)
ist die spezifische Schutzimpfung eine wirksame Maßnahme zur Seuchenverhinderung.
Die Impfung sollte Ende
März / Anfang April durchgeführt werden. Der Impfschutz hält
sechs Monate. In Gebieten mit hohem Stechmückenaufkommen ist eine
Anschlußimpfung im Herbst bei Kaninchen, die auch über die
Wintermonate im Freien verbleiben, sinnvoll. Bei nicht geimpften, akut
erkrankten Tieren ist eine Therapie nicht möglich.
2. Hämorrhagische Krankheit, RHD oder Chinaseuche
Die Chinaseuche ist ebenfalls eine Virusinfektion. Die Ansteckung erfolgt
über direkten Kontakt mit infizierten Kaninchen oder indirekt durch
kontaminiertes Grünfutter oder auch über Einschleppung durch
den Menschen, bei dem die Erreger an Schuhen, Händen etc. haften
können. Auch Insekten spielen eine Rolle.
Bei schnellem Krankheitsverlauf sterben die Tiere ohne verherige Krankheitsanzeichen,
manchmal werden vor dem Tod Anzeichen wie Appetitlosigkeit, Schwäche,
Nasenbluten, Atembeschwerden und Erstickungskrämpfe mit Aufschreien
beobachtet. Bei milden Verläufen zeigen die Tiere nur eine vorübergehende
Störung des Allgemeinbefindens, scheiden den Erreger jedoch in
großen Mengen über Speichel, Nasensekret, Harn und Kot aus
und gefährden nichtinfizierte Kaninchen.
Da es keine wirksamen Behandlungsverfahren gibt, muß auf die Vorbeugung
durch die jährliche Schutzimpfung besonderen Wert gelegt werden.
Der Impfschutz hält ein Jahr.
3. Pasteurellose oder ansteckender Schnupfen
Die Pasteurellose wird durch Bakterien verursacht und ist eine multifaktorielle
Erkrankung, d.h. verschiedene Belastungsfaktoren müssen zusammentreffen,
damit die Krankheit ausbricht. Diese Faktoren sind u.a. Zugluft, hohe
Ammoniakkonzentrationen (Harngeruch), zu hohe Luftfeuchtigkeit, hohe
Tierkonzentrationen, Streß. Dadurch wird die Immunabwehr geschwächt
und die Erreger, die bei vielen gesunden Kaninchen auf der Nasenschleimhaut
vorhanden sind, können sich stark vermehren, die Tiere erkranken.
Die Symptome sind wäßriger bis eitriger Nasenausfluß,
Niesen, erschwerte Atmung, allgemeine Schwäche aber auch Kopfschiefhaltung
bei Befall des Innenohres, eitrige Augenentzündungen oder Ausbildung
von Eiterbeulen.
Zur Vorbeugung ist bei der Haltung von mehreren Tieren z.B. bei Kaninchenzüchtern
eine Impfung empfehlens-wert. Einzelkaninchen sind meist nicht betroffen,
sollte es dennoch zu einer Erkrankung kommen, ist eine Behandlung beim
Tierarzt notwendig.
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